Vor 60 Jahren: Wiederverleihung des Ortswappens
Die NÖ. Landesregierung hat in ihrer Sitzung vom 19. August 1965 der nachweislich seit 1661 wappen- und siegelführenden Gemeinde Unter-Retzbach (im folgenden immer URB abgekürzt) dieses Wappenrecht neu bestätigt und das nachstehend beschriebene Wappen wieder verliehen:
In einem blauen Feld ein silberner Dreiberg, aus dem eine dreiblütige, fünfblätterige, goldene Blume hervorwächst, daneben ein schreitender goldener Hahn.
Das Ortswappen wurde am 13.Juli 1966 im Marmorsaal des NÖ. Landhauses in Wien in Anwesenheit der Stellvertreter des Landeshauptmannes Hirsch und Tschadek verliehen. Musikalisch umrahmt wurde diese Feier von einem Teil des NÖ. Tonkünstlerorchesters.
Anwesende Herren Gemeinderäte:
Hofbauer Edmund, Bürgermeister, Bischofreiter Robert, Vizebürgermeister
Karasek Franz, Raab Ernst, Schleinzer Friedrich, Johne Richard, Mandl Ernst, Rücker Franz, Keibl Alois, Koller Alfred, Pollak Walter, Wohlschak Ernst, Fautschek Josef, Slavik Walter und Piller Ludwig
Das Symbol des Hahnes
Die reiche Symbolik des Hahnes beruht auf drei Eigenschaften: Fortpflanzungstrieb, Kampflust und Lichtempfänglichkeit.
Der besonders starke Fortpflanzungstrieb macht ihn in der Antike neben dem Fisch zu einem kennzeichnenden Lebensbild, so dass er im heidnischen Kult an Stelle von Menschenleben als Opfer dargebracht wurde. Mit der Lebenssymbolik des Hahnes hängt auch seine Fruchtbarkeitssymbolik eng zusammen.
Die Empfänglichkeit des Hahnes sowohl für das Sonnen- als auch für das Mondlicht führt in der Antike zu einer Vielfältigkeit der Symbolik. Der weiße Hahn, dessen Opfer Sokrates verordnete, bedeutet den aus der Nacht geborenen jungen Tag. Der Verkünder des nahen Tages überwindet die Nacht und bricht jeden Schlaf, auch den Todesschlummer. Das Krähen des Hahnes in bestimmten Zeitabständen ist von solcher Regelmäßigkeit, dass es den Alten zur Weckuhr wurde, die zum Beginn des Tageslaufes mahnte. Sie pflegten die Nacht in zwölf Stunden einzuteilen, die im Sommer kürzer, im Winter länger berechnet wurden. Der erste Hahnenschrei bezeichnete zwischen zwei und drei Uhr den Beginn der vierten Vigilia. Dass der Hahn auch Symbol der Wachsamkeit ist, ergibt sich aus all diesen Bedeutungen von selbst.
Die Nacht hatte zurzeit, da man mit Beleuchtungskörpern noch spärlich versehen war und künstliches Licht nicht kannte, viel mehr Schrecken als heute. Auch war sie für jene Menschen die Zeit, in der der Teufel sein Spiel trieb und in der man unter dem Deckmantel der Finsternis Verbrechen ungescheut beging. Das erklärt, warum man den Hahnenschrei, der noch vor Anbruch der Dämmerung den nahen Sonnenaufgang verkündet, als etwas Erlösendes empfand und ihm allgemein, auch noch im christlichen Mittelalter, apotropäische und prophylaktische Wirkungen zuschrieb. Man behauptete, dass er nicht allein böse Geister, sondern auch Löwen und andere gefährliche Tiere schreckt und verscheucht. Am öftesten aber wurde der Hahn über Kirchturmkreuzen angebracht. Abgesehen von seiner Bestimmung als Wetterfahne erscheint er da als Symbol des Sieges Christi über das feindliche Dunkel der Nacht.
Die Symbolik der Rose
Unter den, den Frühling darstellenden Blumen nimmt natürlich die Rose ihrer Schönheit und ihres Duftes wegen, den ersten Platz ein. Die alten Griechen leiteten ihren Namen „ródon“ von „réein“ = fließen, strömen ab mit der Begründung, dass die Rose einen wahren Strom von Duft entsendet, dabei aber ihre Lebenssubstanz verflüchtigt und sie deswegen so schnell verwelkt. In der Antike trieb man mit der Rose besonderen Luxus. So feierten die Römer sogar alljährlich ein eigenes Rosenfest.
Interessant ist die zweifache Bedeutung:
Die fünf auf rundem Grundriss stehenden Blütenblätter versinnbildlichen den Kreislauf des Kosmos, der nach Aristoteles aus fünf Elementen besteht und eine immerwährende Wiederholung bestimmter Zeitabschnitte bedingt. Da die regelmäßige Wiederkehr gleicher Zeitperioden sozusagen eine irdische Ewigkeit bildet, wurde indirekt die Rose auch zum Symbol des Aion, also ein Ewigkeitsbild.
Die zweite morphologische Bedeutung ist die des Rätselhaften, Geheimnisvollen.
Wenn man im Grundriss der Rose den Mittelpunkt eines jeden Kelchblattes durch eine Linie mit dem übernächsten verbindet, so ergibt sich der fünfzackige Stern, Pentagramm oder Drudenfuß, die uralte Zauber- und Bannfigur, das Symbol und Siegelbild des Geheimnisvollen. Darum wurde die Rose schon im Altertum bei Gelagen über der Tafel aufgehängt als Zeichen, dass die hier „sub rosa“ gehaltenen Gespräche nicht weitergesagt werden sollen.
Das Anbringen einer plastischen Rose an der Decke altdeutscher Ratssäle, Weinstuben, ja sogar Beichtstühle wurde noch später im selben Sinn gepflegt.
Im Mittelalter kommt die Anwendung auf die Passion Christi und auf die Muttergottes zu besonders reicher Entfaltung. Je jünger die Symbolik, desto mehr häuft sie die Vergleichspunkte, zergliedert, analysiert und knüpft an die Einzelheiten mystische und moralische Anwendungen.
Mit Erlaubnis entnommen von: Pfarr- u. Ortsgeschichte Unterretzbach von P.Friedrich Schleinzer









